Als Christ durch Pandemiezeiten – eine Orientierung

Geliebte Geschwister! Es werden die in den letzten Wochen bestandenen Verbote und strikten Maßnahmen nun nach und nach gelockert. Das öffentliche Leben kommt allmählich wieder in Gang. Die Menschen dürfen (und müssen) sich wieder verstärkt hinauswagen – auf die Straße, in die öffentlichen Verkehrsmittel, zur täglichen Arbeit oder zur Schule… Und als Gläubige – auch in die Gemeinde. Manch einer fühlt sich vielleicht unsicher, plagt sich mit allerlei Gedanken, ringt um die richtigen Entscheidungen. Soll ich, oder soll ich nicht? Ist es zu riskant? Begebe ich mich in Gefahr? Schade ich meinen Liebsten? Was ist, wenn…? Manch ein anderer wiederum gibt sich betont locker, sorglos und gelassen, hält alles nur für eine „mediengemachte Hysterie“. Wie soll man als Christ mit dieser ganzen Sache umgehen? Hier ist eine ganz einfache praktische Orientierung aus der Heiligen Schrift.

Unser Verhalten als Christen sollte in diesen Zeiten von zwei elementaren biblischen Grundsätzen geprägt sein.

1) Der erste Grundsatz lautet:

„Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge“ (Ps 46,3)

Der Titel eines Artikels in der „Berliner Morgenpost“ lautete vor Kurzem: „Fast 40 Prozent der Berliner haben Angst vor Ansteckung“. In einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer: „Ich erlebe in meiner eigenen Praxis eine eindeutige Zunahme der Menschen mit Angststörungen. Da sind völlig gesunde, sportliche Menschen plötzlich in einer andauernden Panik vor einer möglichen Corona-Infektion.“ Der gottlose, materialistisch und naturalistisch geprägte Mensch von heute fürchtet sich von dem, was er nicht versteht und nicht unter seiner Kontrolle hat. Ein Virus, das unaufhaltsam um sich greift; der rücksichtslose „blinde Zufall“, der jederzeit einen treffen kann; die täglich hochsteigenden Zahlen der Infizierten und Verstorbenen in den Medien; widersprüchliche Aussagen seitens der umschwärmten Topwissenschaftler; der plötzliche, rasante, bis dahin kaum vorstellbare Umbruch der gewohnten Lebensgestaltung; die ungewisse Zukunft – davon kann einem schnell unbehaglich werden.

Als Christen haben wir in der Bibel zahlreiche trostreiche Zusagen unseres Gottes, Sein Volk mitten unter den schlimmsten Nöten und Gefahren zu bewahren. Durch die ganze Geschichte hindurch erkennen wir Gottes mächtiges Handeln zur Bewahrung Seines geliebten Volkes. Er bewahrt Noah und seine Familie und bringt sie lebendig durch die globale Flutkatastrophe. Er bewahrt Lot und seine Familie vor dem grausamen Untergang des Sodoms. Er bewahrt Sein Volk Israel, während das Land Ägypten von den schrecklichen Plagen erschüttert wird. Er bewahrt Schadrach, Meschach und Abed-Nego mitten im flammenden Feuerofen und Daniel in der Löwengrube. Er bewahrt Paulus beim Schiffbruch und nach dem giftigen Schlangenbiss. (1. Mose 6-8; 2. Pet 2,5; 1. Mose 19; 2. Pet 2,6-9; 2. Mose 7-12; Dan 3+6; Apg 27+28).

Darüber hinaus macht die Bibel mit allem Nachdruck klar, dass unser Leben nicht vom Zufall bestimmt wird, sondern bis in die kleinsten Einzelheiten unter Gottes komplettem, wirksamem und wohlwollendem Regiment steht. „Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge“ (Mt 10,29-31). Und selbst wenn uns etwas zustoßen sollte, ruhen wir in Gewissheit, „dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt“ (Heidelberger Katechismus, Frage 27), sodass uns „alle Dinge zum Besten dienen“ und gar nichts „uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ (Röm 8,28+38-39).

So dürfen und sollen wir, buchstäblich jeden Morgen und Abend, unser Herz und Verstand an den herrlichen Zusagen der Bibel glaubend laben und stärken. Erinnert euch dran, lernt sie auswendig, sinnt darüber nach, gebraucht sie im Gebet, ermutigt damit eure Nächsten, gründet darauf euer tägliches Leben! „Gott hält sein Wort mit Freuden, und was Er spricht, geschieht“ (Paul Gerhardt, EG 302).

„Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge. Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.“ (Ps 46,2-3+12).

„…dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt. Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen. Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen…“ (Ps 91,5-7+9-11).

2) Daran schließt sich aber sofort der zweite Grundsatz an:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen“ (Mt 4,7)

Angesichts solcher herrlichen Zusagen dürfen wir zugleich nicht übermütig, leichtsinnig und fahrlässig werden. Gerade mit den Worten aus dem Psalm 91 reizte der Teufel unseren Heiland Jesus zum „Ausprobieren“, ob denn Gottes Zusagen auch wirklich so gelten. Der Herr Jesus ließ es nicht durchgehen und widerstand dem Versucher (Mt 4,5-7). Gott wird Sein Wort gewiss halten, wenn es darauf ankommt. Wir sollen darauf einfältig vertrauen und nicht damit vorsätzlich experimentieren. Wir dürfen im Glauben fest damit rechnen, aber nicht in Vermessenheit darauf spekulieren.

Im Gesetz, das Gott durch Mose Seinem Volk gegeben hat, heißt es: „Wenn du ein neues Haus baust, so mache ein Geländer ringsum auf deinem Dach, damit du nicht Blutschuld auf dein Haus lädst, wenn jemand herabfällt“ (5. Mose 22,8). Ja, Gott sendet Seinen Schutzengel, dich zu bewahren. Ja, es wird kein Haar von deinem Haupt fallen, die dazu alle gezählt sind. Aber du – „mache ein Geländer ringsum auf deinem Dach“. Ergreife die nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Handle weise und umsichtig. Das ist ein Gebot Gottes, das wir uns ernst zu Herzen nehmen sollten. So warnte Paulus etwa, dass die Schiffsreise nach Rom wegen schlechten Wetterverhältnissen zu gefährlich wäre und man sie lieber nicht antreten sollte (Apg 27,9-10+21). Auch riet er Timotheus, wegen dessen schwachen Magen und chronischen Krankheiten als gesundheitsfördernde Maßnahme verdünnten Wein zu trinken (1 Tim 5,23). Das war vernünftig, besonnen, fern jeglichen fanatischen Idealismus. An vielen Stellen unseres Alltags machen wir es ja in großen und kleinen Dingen genauso. Wir putzen uns die Zähne – als Vorsichtsmaßnahme gegen Karies. Wir legen beim Autofahren den Sicherheitsgurt an und befolgen die Verkehrsregeln. Und das Auto selbst ist vorsorglich versichert und vom TÜV regelmäßig überprüft. Wir tragen beim Fahradfahren, Motorradfahren oder auf der Baustelle einen Schutzhelm. In unserer Wohnung hängt ein Rauchmelder. In unserem Gemeindehaus sind Feuerlöscher angebracht und Fluchtwege gekennzeichnet. Wir schließen die Tür der Wohnung mit dem Schlüssel ab. Wir lassen das kleine Kind nicht mit der Schere spielen. Und vieles mehr.

Daher, wenn wir in der heutigen Situation die gebührenden Vorsichtsmaßnahmen zur Sicherung der Gesundheit ergreifen – Hände gründlich waschen, beim Husten und Niesen aufpassen, Abstandsvorschriften beachten, auf Händedruck oder geschwisterliches Küssen bei der Begrüßung verzichten, Gesichtsmaske oder Handschuhe tragen – handeln wir nicht aus Kleinmut oder Unglauben. Sondern umgekehrt – wir ehren Gott, indem wir Seine Mahnungen ernst nehmen. „Der Kluge sieht die Gefahr und verbirgt sich; die Unverständigen aber laufen weiter und erleiden Schaden“ (Spr 22,3). Bei alledem sind wir nicht von einem blinden abergläubischen Vertrauen auf „Gesundheitsexperten“ oder Hygienemittel getrieben, sondern erhoffen unseren Schutz und Sicherheit allein vom gnädigen lebendigen Gott.

„Schaff uns Beistand in der Not; denn Menschenhilfe ist nichts nütze. Mit Gott wollen wir Taten tun.“ (Ps 60,13-14)